Wenn ein leeres Herz sich füllt – und Kinder Danke sagen

28.06.2026

Ein Altar voller Blumen, ein grosses rotes Herz – noch leer. Den grossen Kindergottesdienst in Zürich-Albisrieden gestalteten die Jüngsten selbst. Und am Ende wartete eine Überraschung, die niemand so schnell vergisst.

Beim Betreten des Kirchensaals war an diesem Sonntag, 28. Juni 2026, zu spüren, dass dieser Morgen ein besonderer werden würde – auch, weil es der letzte Gottesdienst war, den der Evangelist in der Gemeinde hielt. Den Blick zog der Altar auf sich: bunt geschmückt mit Rosen und Sonnenblumen, am Fuss viele selbst gebastelte Papierblumen. In der Mitte ein grosses rotes Papierherz, das im Lauf des Gottesdienstes seine Gestalt verändern sollte.

«Kinder in der Mitte der Gemeinde» – das war an diesem Tag nicht nur ein Motto, sondern gelebte Wirklichkeit. Vom Kleinkind, das gerade laufen kann, bis zu den angehenden Konfirmandinnen: Die Jüngsten begrüssten bereits am Haupteingang der Kirche die Geschwister, unterstützten den Evangelisten, dienten mit, sangen Lieder, die sie über Stunden eingeübt hatten, und hatten den Blumenschmuck am Altar mit eigenen Händen gestaltet. Passend dazu das Lied vor dem Gottesdienst: «Lasst die Herzen immer fröhlich und mit Dank erfüllet sein.»

Im Eingangsgebet betete der Evangelist innig dafür, wie wichtig die Kinder für die Gemeinde sind – und dass wir alle Kinder Gottes sind, ob gross oder klein. Als Grundlage diente das Textwort aus Lukas 5,18-20: die Geschichte des Gelähmten und seiner vier Freunde.

Was macht eine gute Freundschaft aus?

Bevor es um den Inhalt der Geschichte ging, sangen die Kinder auf Schweizerdeutsch das Lied «Wo isch Gott? Im Himmel? Wo isch das? Überall!» Dann rückte ein grosses Thema in den Mittelpunkt: die Freundschaft. Was ist Freundschaft – auch als freiwillige Beziehung des Menschen zu Gott? Und was zeichnet einen guten Freund, eine gute Freundin aus?

Die Kinder gaben die Antworten. Eines nach dem anderen trat an den Altar, las vor, was auf kleinen bunten Herzzetteln stand, und die Sonntagsschullehrerin klebte sie aufs grosse rote Herz. So füllte es sich Stück für Stück: hilfsbereit, ehrlich, lustig, zuhören können, liebevoll. Auf fast jedem Zettel stand das Wort Hilfsbereitschaft.

Anschliessend lasen die Kinder die Geschichte des Gelähmten abwechselnd vom Altar vor, ergänzt von Bildern auf dem Beamer. Und dann die Frage: Was nehmen wir mit? Vier Freunde, die ihren Kameraden nicht im Stich liessen, nichts unversucht liessen und daran glaubten, dass Jesus ihn heilen kann. Als sie mit der Bahre nicht durch die Menge kamen, hoben sie ihn aufs Dach und suchten den Weg von oben.

Doch der tiefere Fokus des Gottesdienstes lag noch darunter. Bemerkenswert ist, dass Jesus den Kranken zunächst nicht heilte, sondern zu ihm sprach, dass ihm seine Sünden vergeben seien. Erst danach richtete er ihn auf – so dass der einst Gelähmte aufstehen und mit seinen Freunden nach Hause gehen konnte. Beides geschah aus derselben Vollmacht: Jesus hat die Macht, Sünden zu vergeben, und er hat die Macht, Menschen zu heilen.

Das Fazit traf mitten ins Herz: Jesus ist auch unser Freund. Wir sind ihm wichtig, er nimmt uns so, wie wir sind. Und wie die Freunde in der Geschichte können auch wir den Weg zum Heil frei machen – im wahrsten Sinne «Löcher ins Dach beten», füreinander einstehen, Hilfe leisten.

Ein Band als Zeichen der Freundschaft

Als sichtbares Zeichen verteilten die Kinder bunte Freundschaftsbänder in der ganzen Gemeinde. Die Geschwister knüpften sie sich gegenseitig um die Handgelenke, teils banden die Kinder sie auch selbst an – «Helfende Hände sind überall unterwegs».
Das Band soll zeigen, dass wir verbunden sind und einander helfen – so, wie es echte Freunde tun. Im Hintergrund klang leise das Lied «Gott ist die Liebe».

Vor dem heiligen Abendmahl folgte eine besondere Einstimmung: Die junge Carlotta sang als Solistin das Busslied «A minere Stell hesch Du s’ Lide uf Dich gnoh» (Für mich hast du das Leid auf dich genommen). Ihre weiche, sanfte Stimme berührte die Gemeinde so sehr, dass manche Träne aus dem Augenwinkel gewischt werden musste.

Die Überraschung – und das Rätsel der Papierblumen

Der Gottesdienst endete mit einer Überraschung – jenem Moment, der das Rätsel um die Papierblumen am Altar löste. Für den scheidenden Evangelisten, dessen offizieller Abschied Mitte August folgt, hatten sich die Kinder etwas ganz Eigenes ausgedacht.

Er liebt das Bild der Blumenwiese, weil jeder Mensch eine eigene Blume ist, mit besonderen Eigenheiten und Schönheiten. Genau diese Papierblumen hatten die Kinder für ihn gebastelt – jede mit einer versteckten, liebevollen Botschaft darin. Als Überraschung sangen sie ihm, der für so viele weit mehr ist als nur ein Freund, zum Schluss das Lied «Danke für diesen guten Morgen» – mit einem persönlichen, eigens umgedichteten Dankes-Text. Besungen wurde darin auch sein grosses Herz – womit sich der Kreis zum roten Herz am Altar schloss.

Es war ein bewegender Gottesdienst. Der ganze Saal applaudierte lange, um den Kindern und den Lehrkräften für diesen wirklich Wunder-vollen Gottesdienst DANKE zu sagen.

Was bleibt von diesem Morgen, ist das Bild eines Herzens, das sich vor aller Augen gefüllt hat – und die Gewissheit, wie reich eine Gemeinde ist, in der die Kinder ihren Platz mittendrin haben.

Text: Simone Töllner, Fotos: Roland Waller